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Dienstag, 16. Oktober 2018

Robotik

Zeit für Kreativität

Von Martin Ciupek | 7. Juni 2018 | Ausgabe 23

Die Interaktion mit den Menschen erschließt Robotern immer mehr Anwendungen und erfordert gleichzeitig neue Herangehensweisen. Der Markt wächst kontinuierlich.

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Foto: Foto [M]: panthermedia.net/nmcandre/Alexander Limbach/vdin

Digitalisierungshelfer: Künftig sollen Roboter Menschen in der Produktion stärker unterstützen. Auch kleine Betriebe können damit neue Ideen umsetzen.

Technisch begeistert die Robotik aktuell mit großen Fortschritten. Die neuen Systeme können sicher mit Menschen interagieren. Sie erlernen auch ganz ohne Hilfe von Programmierern neue Arbeitsabläufe und optimieren diese eigenständig. Das weckt Fantasien von bisher ungeahnten Einsatzmöglichkeiten, aber auch alte Ängste, Roboter könnten Menschen aus der Arbeitswelt verdrängen. So wundert es nicht, dass die Prognosen sehr unterschiedlich ausfallen.

Fakt ist: Wer wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die bisherigen Erfahrungen von Industriestaaten mit der Digitalisierung der Arbeit extrapoliert, der zeichnet ein positives Bild von der Zukunft. Laut einer im April vorgestellten ZEW-Studie sorgt der digitale Wandel in deutschen Betrieben allgemein für einen leichten Anstieg der Beschäftigung. Das Projektteam stellt jedoch ebenfalls fest, dass sich dadurch die Anforderungen an die Beschäftigten stark verändern.

Der digitale Wandel wird auch im Zusammenhang mit dem Robotereinsatz in den Fabriken deutlich. Seit ihrer Erfindung sind Industrieroboter das Symbol für die Automatisierung der Produktion schlechthin. Anlässlich der diese Woche in Frankfurt am Main vorgestellten Branchenzahlen sagt Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des Fachverbands Robotik + Automation im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA): „Trotz Mechanisierung und Automatisierung ist die Beschäftigung unter dem Strich immer gestiegen.“ Durch die Technologien würde in einem Prozess der „kreativen Zerstörung“ Raum für Neues geschaffen.

Und der Bedarf an Robotern scheint groß zu sein: Allein deutsche Hersteller steigerten ihren Umsatz laut VDMA Robotik + Automation 2017 gegenüber dem Vorjahr um 13 % auf 14,5 Mrd. €. Sie übertrafen damit die bisherigen Prognosen. Vorige Woche hatte bereits die International Federation of Robotics (IFR) prognostiziert, dass bis 2020 weltweit 3 Mio. Industrieroboter im Einsatz sein werden. Gegenüber 2014 bedeute das eine Verdoppelung innerhalb von sieben Jahren.

Das Bild in den Fabriken verändert sich aber nicht nur durch die Menge an Robotern, sondern auch dadurch, dass immer mehr Roboter für die Interaktion mit den Menschen entwickelt werden. Denn klassische Industrieroboter spielen ihre Vorteile vor allem bei der Produktion von Großserienprodukten aus. Dafür werden sie von Experten programmiert. Künftige Lösungen sollen den Menschen dagegen als Assistenten dienen und leicht für neue Anforderungen angelernt werden können.

Besonderes Augenmerk gilt dabei Robotern, die mit Menschen interagieren – sogenannten Cobots. Sie erfordern, dass Arbeitsprozesse anders geplant werden, um die Fähigkeiten von Mensch und Maschine bestmöglich zu kombinieren. Kostengünstige Einstiegslösungen machen die Technik dabei für kleinere Unternehmen interessant. An Ideen zum Einsatz mangelt es nicht. Sie reichen von Montagehilfen bis hin zur Automatisierung anstrengender und monotoner Arbeiten.

Für den Roboterforscher Sami Haddadin von der TU München gilt es dabei, die Menschen ins Zentrum künftiger Bestrebungen zu stellen. Die häufig zu beobachtende Überforderung der Menschen durch das Internet und den Einsatz künstlicher Intelligenz unterstreicht für Haddadin die Notwendigkeit. Der menschenzentrierte Ansatz in der Robotik sei daher eine besondere Chance für Deutschland und Europa.